Das Wichtigste zum Arztzeugnis Schweiz: Dein Arbeitgeber darf es grundsätzlich ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit verlangen, viele Arbeitsverträge verlangen es erst ab dem dritten oder vierten Tag. Das Zeugnis nennt Beginn, Dauer und Grad der Arbeitsunfähigkeit, aber keine Diagnose. Ein einfaches Arbeitsunfähigkeitszeugnis ist im Preis der Konsultation enthalten, die über die Grundversicherung läuft.
Ab wann muss ich ein Arztzeugnis vorlegen?
Wenn du krank bist und nicht arbeiten kannst, musst du die Arbeitsunfähigkeit beweisen. Laut SECO bist du als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer beweispflichtig und musst dem Arbeitgeber auf Verlangen ein Arztzeugnis einreichen. Eine feste Frist steht nicht im Gesetz. Massgebend ist, was dein Arbeitsvertrag, das Personalreglement oder ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vorsieht.
- Ab dem ersten Tag: Das SECO hält fest, dass Arbeitgeber grundsätzlich das Recht haben, ein Arztzeugnis bereits ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit zu verlangen.
- Übliche Regel: Viele Arbeitsverträge verlangen ein Zeugnis erst ab dem dritten oder vierten Tag. Auch ch.ch schreibt, dass du ein Arztzeugnis in der Regel erst ab dem dritten Abwesenheitstag vorlegen musst.
- Bei längerer Krankheit: Laut SECO musst du unaufgefordert periodisch neue Zeugnisse einreichen.
Unabhängig vom Zeugnis solltest du dich am ersten Krankheitstag so früh wie möglich bei deinem Arbeitgeber abmelden. Wie und bis wann, regeln oft ebenfalls Vertrag oder Reglement.
Was muss in einem Arztzeugnis in der Schweiz stehen?
Der rechtliche Leitfaden der FMH und der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) nennt, welche Angaben ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis für den Arbeitgeber enthält. Die Tabelle fasst sie zusammen.
| Angabe | Im Zeugnis | Hinweis |
|---|---|---|
| Name der Ärztin oder des Arztes, deiner Person und des Adressaten | Ja | Adressat ist in der Regel der Arbeitgeber |
| Beginn der Arbeitsunfähigkeit | Ja | Datum, ab dem du nicht arbeiten kannst |
| Ende oder nächste Konsultation | Ja | Die Arbeitsunfähigkeit ist befristet, laut FMH grundsätzlich höchstens einen Monat pro Zeugnis |
| Grad der Arbeitsunfähigkeit | Ja | Vollständig oder teilweise in Prozent; bei Teilarbeitsfähigkeit z. B. zumutbare Stunden pro Tag |
| Ursache: Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft | Ja | Wichtig, weil bei Unfall die Unfallversicherung zuständig ist |
| Diagnose oder Behandlung | Nein | Gehört nicht in ein Zeugnis für den Arbeitgeber |
| Ausstellungsdatum und Unterschrift | Ja | Das Zeugnis wird nie rückdatiert |
Inhalt eines Arbeitsunfähigkeitszeugnisses für den Arbeitgeber. Quellen: FMH/SAMW, Rechtlicher Leitfaden, Kap. 7.6; SECO.
Die Diagnose bleibt geschützt, weil sie unter das Arztgeheimnis fällt. Auch das SECO schreibt, ein Arztzeugnis solle keine Diagnose enthalten. Mehr zu deinen Rechten gegenüber Ärztinnen und Ärzten findest du im Beitrag zu den Patientenrechten in der Schweiz.
Darf ein Arztzeugnis rückwirkend ausgestellt werden?
Nur eingeschränkt. Laut FMH-Leitfaden sollen rückwirkende Zeugnisse vermieden werden, lassen sich aber nicht immer umgehen. Der Rückwirkungszeitraum soll in der Regel nicht mehr als wenige Tage betragen. Die Ärztin oder der Arzt muss dokumentieren, was sie selbst festgestellt hat und was auf deinen Angaben beruht. Ein Zeugnis wird nie rückdatiert, sonst wäre es ein falsches ärztliches Zeugnis. Wer vorsätzlich ein falsches Zeugnis ausstellt, macht sich strafbar.
Für dich heisst das: Geh zum Arzt, sobald absehbar ist, dass du ein Zeugnis brauchst. Wer erst nach einer Woche zur Konsultation geht, riskiert, dass die ersten Tage nicht bestätigt werden.
Gilt ein Arztzeugnis per Telemedizin?
Grundsätzlich setzt ein Zeugnis eine Konsultation voraus, bei der du anwesend bist. Nach dem FMH-Leitfaden sind nach einer ordentlichen Telekonsultation aber einfache Zeugnisse möglich: für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und nur für einen kurzen Zeitraum von wenigen Tagen. Eine teilweise Arbeitsunfähigkeit soll nicht per Telefon oder Video beurteilt werden. Ein telefonisch ausgestelltes Zeugnis ist nur ausnahmsweise möglich, wenn die Ärztin dich gut kennt und kürzlich gesehen hat, und muss für eine Verlängerung in der Praxis erneuert werden. Wie Telekonsultationen funktionieren, erklärt unser Guide zur Telemedizin.
Was kostet ein Arztzeugnis und wer bezahlt?
Laut FMH-Leitfaden sind einfache Arbeitsunfähigkeitszeugnisse für den Arbeitgeber grundsätzlich im Preis der Konsultation enthalten, auch unter der neuen Tarifstruktur TARDOC. Die Konsultation selbst bezahlt die Grundversicherung, du trägst aber Franchise und Selbstbehalt. Welche Kosten auf dich zukommen, zeigen die Beiträge zu den Kosten eines Arztbesuchs und zum Selbstbehalt, den Leistungsumfang der Grundversicherung nach KVG.
Verlangt dein Arbeitgeber ein ausführliches Zeugnis oder eine Kontrolluntersuchung, trägt er laut FMH die Kosten. Sie sollen im Voraus vereinbart werden.
Was darf der Vertrauensarzt des Arbeitgebers?
Zweifelt der Arbeitgeber an deinem Zeugnis, kann er eine vertrauensärztliche Untersuchung anordnen, sofern er die Lohnfortzahlung leistet. Krankentaggeldversicherungen tun das laut SECO vor allem bei längerer Arbeitsunfähigkeit oft. Der Vertrauensarzt darf dem Arbeitgeber und der Versicherung nur Auskunft über deine Arbeitsfähigkeit geben, keinesfalls über die Diagnose. Die Kosten gehen zu Lasten der Versicherung oder des Arbeitgebers.
Arztzeugnis Schweiz: Lohnfortzahlung und Krankentaggeld
Das Zeugnis ist die Grundlage für deinen Lohn während der Krankheit. Wie lange du Lohn bekommst, hängt davon ab, ob dein Arbeitgeber eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen hat.
- Ohne Taggeldversicherung: Der Arbeitgeber zahlt bei unverschuldeter Krankheit den Lohn für eine beschränkte Zeit, sofern das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder dafür eingegangen wurde. Im ersten Dienstjahr sind es mindestens drei Wochen, danach angemessen länger (Art. 324a OR). Laut SECO sind das 100 Prozent Lohn ab dem ersten Krankheitstag. Sieht der Vertrag nichts Günstigeres vor, bestimmen Gerichte die genaue Dauer anhand von Skalen.
- Mit Taggeldversicherung: Die meisten Policen zahlen laut SECO 80 Prozent des Lohnes während 720 oder 730 Tagen innert 900 Tagen. Das gilt als gleichwertig zur gesetzlichen Lohnfortzahlung, wenn der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Prämie bezahlt.
Wichtig für die Krankenversicherung: Die obligatorische Grundversicherung zahlt kein Taggeld. Eine Taggeldversicherung ist freiwillig und kann nach KVG (Art. 67 KVG, für Personen zwischen 15 und 65 Jahren) oder als Versicherung nach VVG abgeschlossen werden, auch bei einer anderen Kasse als der Grundversicherung. Was eine Versicherung nach VVG ausmacht, erklärt der Beitrag VVG-Versicherungen erklärt. Massgebend für deine Leistungen sind immer Police und Versicherungsbedingungen.
Kündigungsschutz: Nach der Probezeit darf dir der Arbeitgeber während einer unverschuldeten Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall nicht kündigen: im ersten Dienstjahr während 30 Tagen, vom zweiten bis fünften Dienstjahr während 90 Tagen, ab dem sechsten Dienstjahr während 180 Tagen (Art. 336c Abs. 1 lit. b OR). Eine Kündigung in dieser Sperrfrist ist nichtig.
Häufige Fragen zum Arztzeugnis
Wie viele Tage darf ich ohne Arztzeugnis krank sein?
Das hängt von deinem Arbeitsvertrag ab. Häufig musst du ab dem dritten oder vierten Tag ein Zeugnis vorlegen. Dein Arbeitgeber darf es aber grundsätzlich schon ab dem ersten Tag verlangen.
Muss die Diagnose auf dem Arztzeugnis stehen?
Nein. Ein Zeugnis für den Arbeitgeber nennt Beginn, Dauer, Grad und Ursache (Krankheit, Unfall, Schwangerschaft), aber keine Diagnose und keine Behandlung.
Kann ich ein Arztzeugnis nachträglich holen?
Nur für wenige Tage rückwirkend, und nur wenn die Ärztin es aufgrund ihrer Feststellungen verantworten kann. Rückdatiert wird ein Zeugnis nie.
Bezahlt die Krankenkasse das Arztzeugnis?
Ein einfaches Zeugnis ist im Preis der Konsultation enthalten, die über die Grundversicherung abgerechnet wird. Franchise und Selbstbehalt zahlst du selbst. Ausführliche Zeugnisse, die der Arbeitgeber verlangt, bezahlt der Arbeitgeber.
Kann ich mich in der Schweiz telefonisch oder online krankschreiben lassen?
Ja, für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit von wenigen Tagen nach einer ordentlichen Telekonsultation. Eine teilweise Arbeitsunfähigkeit wird nicht per Telefon oder Video beurteilt.
Muss ich zum Vertrauensarzt, wenn mein Arbeitgeber das verlangt?
Wenn der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung leistet, darf er eine vertrauensärztliche Untersuchung anordnen. Er erfährt dabei nur, ob und wie weit du arbeitsfähig bist, nicht die Diagnose. Die Kosten trägt er.
Ich war am Freitag und am Montag krank. Brauche ich ein Arztzeugnis?
Das bestimmt dein Arbeitsvertrag oder das Personalreglement. Dein Arbeitgeber darf ein Zeugnis grundsätzlich schon ab dem ersten Tag verlangen, viele Verträge verlangen es erst ab dem dritten Tag. Ob das Wochenende dabei mitzählt, regelt ebenfalls der Vertrag. Frag im Zweifel nach, bevor du zur Arbeit zurückkehrst.
Quellen und Stand
- Obligationenrecht (OR, SR 220), Art. 324a und 336c
- Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10), Art. 67
- SECO: FAQ Verhinderung des Arbeitnehmers an der Arbeitsleistung
- ch.ch: Arbeitsunfähigkeit
- FMH/SAMW: Rechtlicher Leitfaden für die Praxis, 7.6 Zeugnisse und Berichte an Arbeitgeber und Taggeldversicherer
- FMH/SAMW: Rechtlicher Leitfaden für die Praxis, 7.4 Allgemeines zu ärztlichen Zeugnissen und Berichten
Nadine Forster – Grenzgänger, Gesundheit, News.


