Amtliche Prämien 2026 des Bundesamts für Gesundheit34 Krankenkassen, unabhängig und ohne AnmeldungPrämien 2027 folgen Ende September
Zum Inhalt springen
News

Freie Arztwahl aufgeben? So viel sparst du schon heute

57 Prozent würden auf die freie Arztwahl verzichten. Mit Hausarzt, HMO oder Telmed geht das schon heute: So viel sparst du 2026 in jedem Kanton.

Von Maik Möhring6 Min. LesezeitStand 25.09.2026
Helles Wartezimmer einer Hausarztpraxis mit leeren Holzstühlen und Tageslicht
Bild: KI-generiert

Die Prämien drücken so stark, dass eine Mehrheit bereit ist, auf die freie Arzt- und Spitalwahl zu verzichten: 57 Prozent würden die freie Arztwahl aufgeben, 65 Prozent die freie Spitalwahl, wenn dafür die Kosten sinken. Das zeigt der Gesundheitsmonitor 2026 von gfs.bern. Was dabei oft untergeht: Auf die freie Arztwahl verzichten kannst du schon heute, freiwillig, mit einem Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell. Wir haben mit den amtlichen Prämien 2026 des BAG nachgerechnet, wie viel das in jedem Kanton bringt: im Median 68.50 Franken im Monat oder rund 13 Prozent.

Was zeigt der Gesundheitsmonitor 2026?

Das Forschungsinstitut gfs.bern hat im Auftrag des Pharmaverbands Interpharma vom 28. Juli bis 17. August 2026 insgesamt 1’046 Stimmberechtigte in allen Landesteilen befragt, telefonisch und online. Der Stichprobenfehler liegt bei plus/minus 3,1 Prozentpunkten. Die Frage war, auf welche Freiheiten die Befragten verzichten würden, wenn dafür die Kosten im Gesundheitswesen sinken. Innert eines Jahres ist die Bereitschaft deutlich gestiegen:

Verzicht für tiefere Kosten 2025 2026 Veränderung
Freie Spitalwahl 49 % 65 % +16 Punkte
Eingeschränkter Zugang zu neuen Medikamenten 41 % 58 % +17 Punkte
Freie Arztwahl 43 % 57 % +14 Punkte
Weniger Leistungen in der Grundversicherung 36 % 50 % +14 Punkte

Auch bei der Finanzierung verschieben sich die Mehrheiten. Die heutige Kopfprämie, bei der alle im selben Kanton und Modell gleich viel zahlen, findet noch 67 Prozent Zustimmung, so wenig wie noch nie seit 2001. Einkommensabhängige Prämien befürworten 63 Prozent, 2022 waren es erst 27 Prozent. Eine Budget-Krankenkasse unterstützen 62 Prozent, eine Einheitskasse 54 Prozent.

Bei der Kostenbeteiligung sind die Befragten gespalten. Eine Gebühr für Bagatellfälle im Spitalnotfall befürworten 79 Prozent, und 69 Prozent fänden es richtig, wenn Medikamente für Bagatellen nicht mehr vergütet würden. Eine höhere Mindestfranchise wollen dagegen nur 42 Prozent. Mehr zur laufenden Debatte über die Franchise liest du in unserem Beitrag zur Erhöhung der Mindestfranchise.

Was heisst «auf die freie Arztwahl verzichten» konkret?

In der Grundversicherung gibt es heute zwei Wege. Im Standardmodell gehst du direkt zu jeder Ärztin und jedem Arzt, auch zu Spezialisten. In den alternativen Modellen verpflichtest du dich, zuerst eine bestimmte Stelle zu kontaktieren:

  • Hausarztmodell: Deine Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle und überweist dich bei Bedarf weiter.
  • HMO-Modell: Du gehst zuerst in ein Gesundheitszentrum, mit dem deine Kasse zusammenarbeitet.
  • Telmed-Modell: Vor jedem Arztbesuch rufst du eine medizinische Beratungsstelle an oder nutzt die App der Kasse.

Die Leistungen sind in allen Modellen gleich, sie stehen im Krankenversicherungsgesetz (KVG). Du verzichtest also nicht auf Behandlungen, sondern nur auf den direkten Weg dorthin. Im Notfall darfst du in jedem Modell sofort ins nächste Spital. Welche Ausnahmen sonst gelten, zum Beispiel für Frauen- oder Augenarztbesuche, regelt jede Kasse in ihren Versicherungsbedingungen.

Anders ist es bei der freien Spitalwahl, über die die Umfrage auch fragt. Die gibt es heute für die Grundversicherung schweizweit, eingeschränkt wird sie höchstens über Zusatzversicherungen oder künftige Gesetzesänderungen. Ein Modell, das sie freiwillig einschränkt, gibt es in der Grundversicherung heute nicht.

Wie viel sparst du heute mit einem alternativen Modell?

Wir haben für den Hauptort jedes Kantons die günstigste Prämie im Standardmodell mit der günstigsten Prämie in einem alternativen Modell verglichen, jeweils über alle Kassen. Grundlage sind die vom BAG genehmigten Prämien 2026 für Erwachsene ab 26 Jahren mit Franchise 300 Franken und Unfalldeckung, in Franken pro Monat.

Kanton Standard­modell Alternatives Modell Ersparnis pro Monat Ersparnis pro Jahr
NeuenburgNeuenburg 655.90 554.20 101.70 (16 %) 1’220
Basel-StadtBasel 673.70 575.90 97.80 (15 %) 1’174
TessinBellinzona 679.00 583.90 95.10 (14 %) 1’141
ZürichZürich 605.20 517.70 87.50 (14 %) 1’050
BernBern 631.00 545.90 85.10 (13 %) 1’021
JuraDelémont 628.20 543.10 85.10 (14 %) 1’021
GenfGenf 686.70 604.30 82.40 (12 %) 989
SolothurnSolothurn 565.40 486.20 79.20 (14 %) 950
WaadtLausanne 647.80 570.10 77.70 (12 %) 932
FreiburgFreiburg 577.00 501.10 75.90 (13 %) 911
Basel-LandschaftLiestal 630.00 558.30 71.70 (11 %) 860
SchaffhausenSchaffhausen 552.00 480.30 71.70 (13 %) 860
ThurgauFrauenfeld 499.60 429.70 69.90 (14 %) 839
Appenzell AusserrhodenHerisau 479.40 412.30 67.10 (14 %) 805
AargauAarau 519.25 453.80 65.45 (13 %) 785
WallisSitten 544.40 481.20 63.20 (12 %) 758
NidwaldenStans 448.10 385.40 62.70 (14 %) 752
ObwaldenSarnen 445.10 382.80 62.30 (14 %) 748
UriAltdorf 437.90 376.60 61.30 (14 %) 736
GlarusGlarus 493.00 433.20 59.80 (12 %) 718
Appenzell InnerrhodenAppenzell 411.00 353.50 57.50 (14 %) 690
St. GallenSt. Gallen 536.40 479.65 56.75 (11 %) 681
LuzernLuzern 502.55 451.60 50.95 (10 %) 611
ZugZug 385.80 335.10 50.70 (13 %) 608
GraubündenChur 499.00 453.60 45.40 (9 %) 545
SchwyzSchwyz 439.30 400.20 39.10 (9 %) 469

Günstigste Prämie je Modell über alle Kassen im Hauptort, Franken pro Monat. Erwachsene ab 26, Franchise 300, mit Unfall. Quelle: BAG, Prämien 2026.

Die Spanne reicht von 39.10 Franken im Monat in Schwyz bis 101.70 Franken in Neuenburg, im Jahr also von rund 469 bis 1’220 Franken. Dabei vergleicht die Tabelle bewusst die jeweils günstigsten Angebote. Wer heute im Standardmodell einer teureren Kasse versichert ist, spart deutlich mehr: Gemessen an der mittleren Standardprämie aller Kassen im Hauptort beträgt der Unterschied im Median der Kantone rund 1’430 Franken im Jahr.

Die Werte gelten für den Hauptort. In Kantonen mit mehreren Prämienregionen weichen andere Gemeinden ab. Deine eigenen Zahlen für Gemeinde, Alter und Franchise zeigt der Prämienrechner, die Übersicht aller Kassen findest du unter Krankenkassen im Profil.

Wo liegt der Haken bei Hausarzt, HMO und Telmed?

Der Rabatt ist an Regeln gebunden. Gehst du ohne Überweisung direkt zum Spezialisten, obwohl dein Modell das nicht erlaubt, kann die Kasse die Kosten ablehnen oder dich nach wiederholten Verstössen ins teurere Standardmodell zurückstufen. Das HMO-Modell lohnt sich nur, wenn ein passendes Gesundheitszentrum in deiner Nähe liegt. Bei Telmed musst du vor dem Arztbesuch anrufen, auch wenn du schon weisst, wohin du willst.

Wer eine laufende Behandlung bei einer bestimmten Spezialistin hat, sollte vor dem Wechsel klären, ob diese Praxis im neuen Modell weiter direkt zugänglich ist. Einen Vergleich der Modelle mit ihren Vor- und Nachteilen findest du im Ratgeber Versicherungsmodelle im Vergleich.

Was bedeutet das für die Prämien 2027?

Der Bund gibt die Prämien 2027 Ende September bekannt. Nach Medienberichten rechnen Fachleute mit einem Anstieg von bis zu 5 Prozent, nach 4,4 Prozent im Jahr 2026. Deine persönliche Prämie für 2027 muss dir deine Kasse spätestens Ende Oktober mitteilen. Danach hast du Zeit bis zum 30. November: Bis dann muss die Kündigung bei deiner Kasse eintreffen, damit du auf den 1. Januar zu einer anderen Kasse oder in ein anderes Modell wechseln kannst.

Ein Modellwechsel innerhalb der eigenen Kasse ist meist einfacher als ein Kassenwechsel. Wie beides funktioniert, erklären die Ratgeber zur Kündigungsfrist am 30. November und zum Modellwechsel. Sobald die Prämien 2027 veröffentlicht sind, aktualisieren wir die Zahlen in diesem Beitrag und im Prämienrechner.

Häufige Fragen zur freien Arztwahl

Wie viele Schweizerinnen und Schweizer würden auf die freie Arztwahl verzichten?

Laut Gesundheitsmonitor 2026 von gfs.bern 57 Prozent der Stimmberechtigten, wenn dafür die Kosten sinken. 2025 waren es 43 Prozent.

Wie viel spare ich mit einem Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell?

Im Hauptort jedes Kantons ist das günstigste alternative Modell 2026 zwischen 39.10 und 101.70 Franken im Monat günstiger als das günstigste Standardmodell, im Median 68.50 Franken oder rund 13 Prozent (Erwachsene, Franchise 300, mit Unfall).

Bekomme ich in einem alternativen Modell weniger Leistungen?

Nein. Die Leistungen der Grundversicherung sind im KVG festgelegt und in jedem Modell gleich. Du verpflichtest dich nur, zuerst eine bestimmte Anlaufstelle zu kontaktieren.

Bis wann kann ich das Modell für 2027 wechseln?

Für einen Kassenwechsel auf den 1. Januar muss die Kündigung bis 30. November bei deiner bisherigen Kasse eintreffen. Einen Modellwechsel innerhalb derselben Kasse kannst du in der Regel ebenfalls auf den 1. Januar beantragen; die genaue Frist steht in den Bedingungen deiner Kasse.

Wer hat die Umfrage bezahlt?

Der Gesundheitsmonitor ist eine jährliche Befragung von gfs.bern im Auftrag von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz.

Quellen und Stand

  • gfs.bern: Gesundheitsmonitor 2026, im Auftrag von Interpharma, Befragung 28.07. bis 17.08.2026, n = 1’046
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): genehmigte Prämien 2026, opendata.swiss, eigene Auswertung vom 25.09.2026 (Hauptorte, Erwachsene ab 26, Franchise 300, mit Unfall)
  • Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Art. 7 und 41
  • Blick: «Prämienlast lässt Versicherte umdenken», 23.09.2026
M
Maik Möhring

Maik Möhring – Vergleich, Markt, Profile (Lead/SEO).

Weiterlesen