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Grundversicherung

Versicherungsmodelle Krankenkasse im Vergleich: Standard, Hausarzt, HMO, Telmed

Standard, Hausarzt, HMO, Telmed und Apothekenmodell im Vergleich: Regeln, Ausnahmen, Sanktionen, Wechselfristen und im Median rund 13 % Ersparnis.

Von Sandra Keller8 Min. LesezeitStand 25.09.2026
Versicherungsmodelle Vergleich der Schweizer Grundversicherung mit verschiedenen Optionen und Prämienersparnis.
Die Wahl des Modells hat direkten Einfluss auf deine Praemien und die Arztwahl.

Vergleichst du die Versicherungsmodelle Krankenkasse für Krankenkasse, findest du überall dieselbe Wahl: das Standardmodell mit freier Arztwahl oder ein günstigeres Modell, in dem du zuerst eine feste Anlaufstelle kontaktierst, also Hausarzt, HMO-Praxis, Telefonberatung oder je nach Kasse eine Apotheke. Die Leistungen der Grundversicherung sind in allen Modellen gleich, nur die Prämie und der Weg zum Arzt unterscheiden sich. Nach unserer Auswertung der BAG-Prämien 2026 kostet das günstigste alternative Modell im Median 68.50 Franken pro Monat weniger als das günstigste Standardmodell, das sind rund 13 Prozent.

Welche Versicherungsmodelle gibt es in der Grundversicherung?

Grundsätzlich darfst du unter allen zugelassenen Ärztinnen und Ärzten frei wählen (Art. 41 KVG). Du kannst diese Wahl aber freiwillig einschränken und bekommst dafür eine tiefere Prämie (Art. 41 Abs. 4 und Art. 62 KVG). Das BAG fasst diese Angebote als «Versicherungen mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer» zusammen, dazu gehören HMO-, Hausarzt- sowie Telefon- oder Onlinemodelle. Das Standardmodell wählt laut BAG-Statistik nur noch eine Minderheit: 2022 waren 75,9 Prozent der Erwachsenen ab 26 Jahren in einer anderen Versicherungsform versichert.

Modell Erste Anlaufstelle Einschränkung Typische Ersparnis
Standardmodell jede zugelassene Ärztin, jeder Arzt, auch Spezialisten direkt keine keine, Referenzprämie
Hausarztmodell deine gewählte Hausarztpraxis aus der Liste der Kasse Spezialisten nur mit Überweisung je nach Kasse; als Gruppe im Median 68.50 Franken pro Monat günstiger (rund 13 %)
HMO-Modell eine HMO-Gruppenpraxis oder ein Gesundheitszentrum Behandlung in oder über die HMO-Praxis je nach Kasse; als Gruppe im Median 68.50 Franken pro Monat günstiger (rund 13 %)
Telmed-Modell medizinische Beratung per Telefon oder online vor jedem Arztbesuch melden und Empfehlung befolgen je nach Kasse; als Gruppe im Median 68.50 Franken pro Monat günstiger (rund 13 %)
Weitere Modelle, z. B. Apothekenmodell je nach Kasse eine Partnerapotheke oder ein Ärztenetz gemäss Reglement der Kasse je nach Kasse; als Gruppe im Median 68.50 Franken pro Monat günstiger (rund 13 %)

Die Versicherungsmodelle der Grundversicherung im Überblick. Quelle: Art. 41 und 62 KVG, Art. 99 bis 101 KVV, BAG-Ratgeber Obligatorische Krankenversicherung; eigene Auswertung BAG-Prämien 2026.

Die Rabatte sind nicht frei erfunden: Eine Kasse darf die Prämie nur so weit senken, wie das Modell tatsächlich Kosten spart. Ein günstigerer Versichertenbestand zählt nicht (Art. 101 KVV). Ausserdem muss jede Prämie mit Sonderform mindestens 50 Prozent der ordentlichen Prämie mit Unfalldeckung betragen (Art. 90c KVV). Kombinierst du ein Modell mit einer hohen Franchise, kann der Modellrabatt deshalb kleiner ausfallen, darauf weist auch das BAG hin.

Wie funktionieren Hausarzt, HMO und Telmed im Alltag?

Standardmodell: Du gehst direkt zu jeder Ärztin und jedem Spezialisten. Das ist sinnvoll, wenn du mehrere Fachärzte parallel brauchst oder deine Ärzte nicht auf der Liste eines Modells stehen. Mehr dazu im Ratgeber zum Standardmodell.

Hausarztmodell: Du verpflichtest dich, immer zuerst zu deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt zu gehen. Diese Praxis entscheidet, ob du zu einem Spezialisten musst, und stellt die Überweisung aus. Die Praxis muss auf der Liste deiner Kasse stehen. Die Ombudsstelle Krankenversicherung weist auf eine Tücke hin: Nimmt die Kasse deinen Hausarzt von der Liste, musst du die Praxis wechseln oder zurück ins teurere Standardmodell. Details im Beitrag zum Hausarztmodell.

HMO-Modell: Erste Anlaufstelle ist eine Gruppenpraxis, in der mehrere Ärztinnen und Ärzte zusammenarbeiten. Ein Modell mit eingeschränkter Wahl steht nur Versicherten offen, die im Gebiet wohnen, in dem die Kasse es anbietet (Art. 100 Abs. 1 KVV). Liegt keine HMO-Praxis in deiner Nähe, fällt das Modell weg. Mehr im Ratgeber zum HMO-Modell.

Telmed-Modell: Vor dem Arztbesuch rufst du die medizinische Beratung deiner Kasse an. Die Fachperson empfiehlt Selbstbehandlung, Hausarzt, Spezialist oder Spital, und du hältst dich an diese Empfehlung. Mehr zum Telmed-Modell.

Weitere Modelle: Einige Kassen bieten Varianten an, etwa ein Apothekenmodell mit einer Partnerapotheke als erster Anlaufstelle, Ärztenetzwerke oder Kombinationen aus Telefon und Hausarzt. Die Regeln stehen im jeweiligen Reglement, siehe Apothekenmodell.

Wie viel sparst du mit einem alternativen Modell?

Wir haben die vom BAG genehmigten Prämien 2026 für die Hauptorte aller 26 Kantone ausgewertet (Erwachsene, Franchise 300, mit Unfall). Verglichen wird jeweils das günstigste alternative Modell mit dem günstigsten Standardmodell am selben Ort, also nicht der Rabatt bei deiner eigenen Kasse.

Wert Ersparnis pro Monat Ersparnis pro Jahr
Median der 26 Hauptorte 68.50 Franken (rund 13 %) 822 Franken
Kleinste Ersparnis (Schwyz) 39.10 Franken 469.20 Franken
Grösste Ersparnis (Neuenburg) 101.70 Franken 1’220.40 Franken

Ersparnis günstigstes alternatives Modell gegenüber günstigstem Standardmodell, Prämien 2026. Quelle: eigene Auswertung BAG-Prämiendaten (Priminfo), Hauptorte der 26 Kantone.

Wie viel es bei dir ausmacht, hängt von Kasse, Wohnort, Alter und Franchise ab. Im Prämienrechner siehst du Standard- und alternative Modelle für deine Gemeinde nebeneinander.

Welche Ausnahmen gelten: Notfall, Gynäkologie, Augenarzt?

Im Notfall darfst du in jedem Modell direkt zum Arzt oder ins Spital, das hält auch das BAG fest. Je nach Kasse musst du den Notfall danach innert einer Frist melden. Weitere Ausnahmen sind nicht gesetzlich geregelt, sondern Sache der Kasse. Oft darfst du ohne Überweisung zur Gynäkologin oder zum Augenarzt, das gilt aber nur je nach Kasse und nicht überall. Lies vor dem Termin das Reglement deines Modells oder frag bei der Kasse nach.

Was passiert, wenn du die Regeln des Modells verletzt?

Die Kasse muss im Modell nur Leistungen bezahlen, die von den vereinbarten Leistungserbringern ausgeführt oder veranlasst wurden (Art. 41 Abs. 4 KVG). Gehst du ohne Überweisung zum Spezialisten oder rufst im Telmed-Modell nicht vorher an, kann sie die Rechnung ablehnen. Die genauen Folgen stehen im Reglement: möglich sind eine Verwarnung beim ersten Mal, die Ablehnung der Kosten oder bei wiederholten Verstössen der Ausschluss aus dem Modell. Die Ombudsstelle Krankenversicherung warnt, dass nicht alle Versicherer schon beim ersten Fehler kulant sind und dass das für Versicherte sehr teuer werden kann. Sie hält solche Modelle deshalb vor allem für disziplinierte Versicherte geeignet.

Wann kannst du das Modell wechseln?

Für den Modellwechsel gelten je nach Richtung unterschiedliche Regeln:

Wechsel Wann möglich Frist
Vom Standardmodell in ein eingeschränktes Modell der eigenen Kasse jederzeit im Jahr (seit 1. Januar 2025) keine feste Frist
Vom eingeschränkten Modell zurück ins Standardmodell auf 1. Januar Meldung bis Montag, 30. November 2026
Von einem eingeschränkten Modell in ein anderes auf 1. Januar Meldung bis Montag, 30. November 2026
Kassenwechsel mit neuem Modell auf 1. Januar Kündigung trifft bis 30. November 2026 bei der alten Kasse ein

Fristen für den Wechsel des Versicherungsmodells. Quelle: Art. 100 KVV; BAG-Ratgeber Obligatorische Krankenversicherung (Ausgabe 2025); BAG-Faktenblatt Versichererwechsel.

Mit einem alternativen Modell kannst du die Kasse nur auf Ende Jahr wechseln. Den zusätzlichen Termin auf 1. Juli gibt es nur im Standardmodell mit ordentlicher Franchise. Wie du die Meldung formulierst, steht im Ratgeber Krankenkasse-Modell wechseln, das ganze Vorgehen beim Kassenwechsel unter Krankenkasse wechseln.

Versicherungsmodelle Krankenkasse: Welches passt zu dir?

  • Standardmodell: wenn du mehrere Spezialisten direkt aufsuchst, deine Ärzte in keinem Modell gelistet sind oder du die volle Wahlfreiheit willst.
  • Hausarztmodell: wenn du eine Hausarztpraxis hast, der du vertraust, und diese auf der Liste deiner Kasse steht.
  • HMO-Modell: wenn eine HMO-Praxis in der Nähe liegt und du Behandlung aus einer Hand schätzt.
  • Telmed-Modell: wenn du selten krank bist, keine feste Hausarztpraxis hast und vor jedem Arztbesuch zuverlässig anrufst.

Mit einer chronischen Krankheit und mehreren Fachärzten kann der Aufwand für Überweisungen gross werden. Ob sich der Verzicht lohnt, besprechen wir im Beitrag Freie Arztwahl aufgeben.

Häufige Fragen zu den Versicherungsmodellen

Ich habe das Hausarztmodell, möchte aber frei wählen, zu welchem Arzt ich gehe: Wie gross ist der Preisunterschied?

Nach unserer Auswertung der Prämien 2026 liegt das günstigste Standardmodell im Median 68.50 Franken pro Monat über dem günstigsten alternativen Modell, rund 822 Franken im Jahr. Je nach Kanton sind es zwischen 39.10 und 101.70 Franken pro Monat. Bei deiner eigenen Kasse kann die Differenz anders ausfallen, der Prämienrechner zeigt sie dir genau.

Kann ich mein Krankenkassenmodell unterjährig wechseln?

Nur in eine Richtung. Vom Standardmodell in ein Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell deiner eigenen Kasse kannst du seit 2025 jederzeit wechseln. Zurück ins Standardmodell oder in ein anderes eingeschränktes Modell geht es nur auf 1. Januar, die Meldung muss bis 30. November bei der Kasse sein.

Was ist der Unterschied zwischen HMO und Hausarztmodell?

Im Hausarztmodell ist deine gewählte Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle, im HMO-Modell eine Gruppenpraxis mit mehreren Ärztinnen und Ärzten. Beide überweisen dich bei Bedarf an Spezialisten. Das HMO-Modell gibt es nur dort, wo die Kasse eine solche Praxis unter Vertrag hat.

Muss ich im HMO-Modell zuerst in die HMO-Praxis, wenn ich einen Termin beim Urologen will?

Ja, in der Regel brauchst du für Spezialisten wie den Urologen zuerst eine Überweisung der HMO-Praxis. Ohne sie darf die Kasse die Rechnung ablehnen. Direkt zugänglich sind nur die Ausnahmen, die das Reglement deiner Kasse ausdrücklich nennt, etwa oft Gynäkologie oder Augenarzt.

Ist ein Notfall versichert, wenn ich im Hausarzt- oder Telmed-Modell direkt ins Spital gehe?

Ja. Im Notfall darfst du in jedem Modell direkt ins Spital oder zur nächsten Ärztin. Ob und bis wann du den Notfall danach deiner Kasse melden musst, steht im Reglement deines Modells.

Muss ich im Apothekenmodell immer in dieselbe Apotheke?

Das hängt von der Kasse ab. Das Reglement kann eine bestimmte Partnerapotheke vorschreiben oder eine Auswahl aus einem Netz von Apotheken erlauben. Massgebend ist das Reglement, das du beim Abschluss erhältst, frag im Zweifel vor dem Abschluss nach.

Wie finde ich heraus, ob es in meiner Region eine HMO-Praxis gibt?

Am einfachsten mit dem Prämienrechner: Er zeigt nur Modelle an, die für deine Gemeinde angeboten werden. Eine Kasse darf ein eingeschränktes Modell nur Versicherten anbieten, die im Einzugsgebiet wohnen. Die Liste der Partnerpraxen erhältst du bei der Kasse.

Quellen und Stand

S
Sandra Keller

Sandra Keller – Grundversicherung, Zusatzversicherung (KVG/VVG).

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