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Gesundheit

Gesundheitssystem Schweiz einfach erklärt: Akteure, Kosten, Finanzierung

Bund, Kantone, Kassen, Leistungserbringer: wer was macht, was das Gesundheitswesen kostet und wie Prämien, Steuern und Haushalte es finanzieren.

Von Nadine Forster8 Min. LesezeitStand 25.09.2026
Gesundheitssystem Schweiz – Uebersicht des Gesundheitssystems Schweiz mit Fokus auf die obligatorische Grundversicherung und die Rolle der Kantone.
Die Finanzierung des Schweizer Gesundheitssystems basiert auf einem Mix aus Praemien, Franchise und Steuern.

Das Gesundheitssystem Schweiz beruht auf einer obligatorischen Grundversicherung, die private Krankenversicherer nach Bundesrecht durchführen, während die Kantone Spitäler planen und mitfinanzieren. 2024 kostete das Gesundheitswesen laut Bundesamt für Statistik (BFS) 97,2 Milliarden Franken oder 10’792 Franken pro Person. Fast zwei Drittel davon bezahlen die Haushalte, direkt aus der eigenen Tasche oder über die Krankenkassenprämien. Hier siehst du, wer im System welche Aufgabe hat, wohin das Geld fliesst und warum der Kostendruck anhält.

Wie ist das Gesundheitssystem Schweiz aufgebaut?

Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz muss sich innert drei Monaten nach Zuzug oder Geburt für Krankenpflege versichern (Art. 3 KVG). Die Grundversicherung wählst du frei unter den vom Bund zugelassenen Versicherern (Art. 4 KVG). Diese müssen dich in ihrem Tätigkeitsgebiet aufnehmen, ohne Gesundheitsfragen (Art. 5 Bst. i KVAG). Welche Leistungen die Grundversicherung übernimmt, ist gesetzlich festgelegt und bei allen Kassen gleich. Einen Überblick gibt die Seite zu den KVG-Leistungen, die Grundlagen der Pflichtversicherung erklärt der Ratgeber zur Grundversicherung in der Schweiz.

Daneben gibt es freiwillige Zusatzversicherungen, etwa für die halbprivate Spitalabteilung. Sie unterstehen dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und der Aufsicht der FINMA. Hier dürfen die Versicherer Gesundheitsfragen stellen und Anträge ablehnen. Den Unterschied zeigt der Beitrag Grundversicherung und Zusatzversicherung.

Wer macht was?

Das Schweizer System ist föderalistisch: Der Bund setzt die Regeln für die Krankenversicherung, die Kantone sind für die Versorgung zuständig. Die Versicherer finanzieren die Leistungen der Grundversicherung, die Leistungserbringer behandeln, und du als versicherte Person bezahlst Prämien und einen Teil der Kosten selbst.

Akteur Wichtigste Aufgaben Rechtsgrundlage
Bund (Bundesrat, BAG) Gesetzlicher Rahmen, Aufsicht über die Krankenversicherer, Genehmigung der Prämientarife, Spezialitätenliste der kassenpflichtigen Medikamente, Genehmigung schweizweiter Tarifverträge, Bundesbeitrag an die Prämienverbilligung Art. 56 und 16 KVAG; Art. 52, 46 und 66 KVG
Kantone Spitalplanung und Spitalliste, Zulassung von Ärztinnen und weiteren Leistungserbringern, mindestens 55 Prozent der stationären Spitalvergütung, Prämienverbilligung, Genehmigung kantonaler Tarifverträge Art. 39, 36, 49a, 65 und 46 KVG
Krankenversicherer Durchführung der Grundversicherung, Aufnahmepflicht, Prämien, Vergütung der Rechnungen, Tarifverhandlungen mit den Leistungserbringern Art. 5 KVAG; Art. 43 und 46 KVG
Leistungserbringer Behandlung in Arztpraxen, Spitälern, Pflegeheimen, Apotheken, Spitex und Therapie; Abrechnung nach Tarif oder Preis Art. 35 bis 43 KVG
Versicherte Versicherungspflicht, freie Wahl von Kasse und Leistungserbringer (je nach Modell), Prämien, Franchise und Selbstbehalt Art. 3, 4, 41 und 64 KVG

Die wichtigsten Akteure im Schweizer Gesundheitswesen. Quelle: KVG und KVAG (fedlex.admin.ch).

Die Tarife handeln Versicherer und Leistungserbringer grundsätzlich selbst aus (Art. 46 KVG). Für ambulante ärztliche Leistungen gilt seit 2026 der neue Tarif, den der Beitrag zu TARDOC und ambulanten Pauschalen erklärt. Deine Rechte gegenüber Ärztinnen und Spitälern findest du bei den Patientenrechten.

Was kostet das Gesundheitswesen?

Laut BFS beliefen sich die Kosten des Gesundheitswesens 2024 auf 97,2 Milliarden Franken, 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Pro Kopf sind das 10’792 Franken im Jahr oder rund 900 Franken im Monat. Die Werte für 2024 sind provisorisch, für 2025 liegt eine Schätzung des BFS vor.

Jahr Gesamtkosten Pro Kopf und Monat
2014 71,1 Milliarden Franken 723 Franken
2019 81,7 Milliarden Franken 794 Franken
2023 93,4 Milliarden Franken 876 Franken
2024 97,2 Milliarden Franken 899 Franken
2025 (Schätzung) 100,7 Milliarden Franken 924 Franken

Kosten des Gesundheitswesens in der Schweiz. Quelle: BFS, Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens (2024 provisorisch, 2025 geschätzt).

Innert zehn Jahren sind die Gesamtkosten damit um rund 37 Prozent gestiegen. Die Spitäler waren 2024 mit 36,2 Prozent der Kosten die wichtigsten Leistungserbringer. Zwei Drittel der Kosten entfielen auf Pflege- und Hilfeleistungen, also Behandlungen in Spitälern, Arztpraxen und Heimen. Am stärksten wuchsen die stationäre Behandlung (+6,6 Prozent) und die Langzeitpflege (+5,9 Prozent). Für Medikamente, therapeutische Apparate und Verbrauchsmaterial wurde 6,3 Prozent mehr ausgegeben, bei den Apotheken stiegen die Kosten um 8,7 Prozent.

Zwischen den Kantonen gibt es grosse Unterschiede: In Basel-Stadt lagen die Gesundheitskosten 2024 bei 13’709 Franken pro Kopf, in Uri bei 8’671 Franken, also 37 Prozent tiefer.

Wie wird das Gesundheitswesen finanziert?

Nach Finanzierungsquelle betrachtet sind die privaten Haushalte der wichtigste Geldgeber. Sie bezahlten 2024 laut BFS 21,3 Prozent der Kosten direkt aus der eigenen Tasche und 40,7 Prozent indirekt, hauptsächlich über die Krankenkassenprämien. Die öffentliche Hand trug 31,3 Prozent, vor allem die Kantone. Der Rest stammt grösstenteils von Unternehmen, etwa über Beiträge an Sozialversicherungen.

Schaut man darauf, über welchen Kanal die Rechnungen bezahlt werden, ergibt sich folgendes Bild:

Finanzierungskanal Anteil Was dazugehört
Grundversicherung (OKP) 39,2 % Leistungen, die die Krankenkassen aus den Prämien bezahlen
Private Haushalte direkt 21,3 % davon 5,8 % Kostenbeteiligung (Franchise, Selbstbehalt) und 15,4 % übrige Zahlungen aus der eigenen Tasche, etwa Zahnarzt, Pflegeheim, rezeptfreie Mittel
Staat direkt 20,2 % vor allem Kantone (16,6 %), etwa Spitalanteil und Pflegefinanzierung, dazu Gemeinden
Andere Sozialversicherungen 8,4 % Unfallversicherung, IV, AHV, Ergänzungsleistungen, Militärversicherung
Zusatzversicherungen 7,5 % Leistungen der Privatversicherungen nach VVG
Übrige 3,6 % Stiftungen, Eigenfinanzierung der Leistungserbringer, nicht zuordenbar

Finanzierung des Gesundheitswesens 2024 nach Finanzierungsregime, Anteil in Prozent. Eigene Berechnung aus den BFS-Daten (provisorisch), Rundungsdifferenzen möglich.

Der Unterschied zwischen 20,2 und 31,3 Prozent beim Staat erklärt sich damit, dass Bund und Kantone zusätzlich Geld an Sozialversicherungen überweisen, etwa für die Prämienverbilligung. Der Bund zahlt dafür 7,5 Prozent der Bruttokosten der Grundversicherung (Art. 66 KVG), den Rest steuern die Kantone bei. Ob du Anspruch hast, zeigt die Übersicht zur Prämienverbilligung in allen Kantonen.

Deine eigene Kostenbeteiligung in der Grundversicherung besteht aus der Franchise (Erwachsene 300 bis 2’500 Franken), dem Selbstbehalt von 10 Prozent bis höchstens 700 Franken pro Jahr (Kinder 350 Franken) und dem Spitalbeitrag von 15 Franken pro Tag (Art. 64 KVG).

Warum steigt der Kostendruck?

Die Prämien der Grundversicherung müssen die Kosten decken, die in deinem Kanton anfallen (Art. 16 KVAG). Steigen die Kosten, steigen deshalb auch die Prämien. Die mittlere Monatsprämie 2026 beträgt 393.30 Franken, 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut BFS deuten Teildaten für 2025 auf ein weiteres Kostenwachstum von über 3 Prozent hin. Treiber sind vor allem die Spitalbehandlung, die Langzeitpflege und die Medikamente. Hintergründe liefert der Beitrag Krankenkassenprämien steigen.

Die Politik versucht auf zwei Wegen gegenzusteuern:

  • Kosten- und Qualitätsziele: Seit 1. Januar 2026 legt der Bundesrat jeweils für vier Jahre Kosten- und Qualitätsziele fest, die Kantone können eigene Ziele bestimmen (Art. 54 und 54a KVG).
  • Einheitliche Finanzierung (EFAS): Die Stimmberechtigten haben die Reform am 24. November 2024 mit 53,31 Prozent angenommen. Ab 2028 werden ambulante und stationäre Leistungen einheitlich finanziert, ab 2032 auch die Pflege. Die Kantone tragen dann mindestens 26,9 Prozent der Nettokosten, den Rest übernehmen die Versicherer über die Prämien.

Selbst beeinflussen kannst du vor allem deine Prämie. Nach unserer Auswertung der BAG-Prämien 2026 für die Hauptorte der 26 Kantone liegen zwischen der günstigsten und der teuersten Kasse im Standardmodell im Median rund 1’590 Franken pro Jahr (Erwachsene, Franchise 300, mit Unfall). Ein Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell spart im Median weitere 68.50 Franken pro Monat. Die Modelle vergleicht der Versicherungsmodelle-Vergleich, deine konkreten Prämien zeigt der Prämienrechner.

Häufige Fragen zum Gesundheitssystem Schweiz

Hat die Schweiz ein privates Gesundheitssystem?

Nein, nicht im eigentlichen Sinn: Die Grundversicherung ist obligatorisch und gesetzlich geregelt, wird aber von privatrechtlich organisierten Krankenversicherern durchgeführt. Sie dürfen die Mittel der Grundversicherung nur für diese verwenden, müssen alle Versicherten gleich behandeln und stehen unter Aufsicht des BAG (Art. 5 KVAG). Private Zusatzversicherungen nach VVG kommen freiwillig dazu.

Wieso ist das Gesundheitswesen in der Schweiz so stark kantonal geprägt?

Weil das KVG den Kantonen die Verantwortung für die Versorgung zuweist, während der Bund vor allem die Versicherung regelt. Sie planen die Spitäler, führen die Spitalliste, lassen Ärztinnen zu und bezahlen mindestens 55 Prozent der stationären Spitalbehandlung. Deshalb unterscheiden sich Prämien, Kosten und Prämienverbilligung stark von Kanton zu Kanton.

Wer beaufsichtigt die Krankenkassen in der Schweiz?

In der Grundversicherung beaufsichtigt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Krankenversicherer (Art. 56 KVAG). Es prüft unter anderem die Solvenz und genehmigt jedes Jahr die Prämien, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Für Zusatzversicherungen ist die FINMA zuständig.

Wie setzen sich die Gesundheitskosten in der Schweiz zusammen?

Zwei Drittel der Kosten entfallen laut BFS auf Pflege- und Hilfeleistungen, also Behandlungen in Spitälern, Arztpraxen und sozialmedizinischen Institutionen wie Pflegeheimen. Der Rest verteilt sich auf Medikamente und Material, Prävention und Verwaltung. Nach Leistungserbringer sind die Spitäler mit 36,2 Prozent der grösste Posten.

Warum sind die Gesundheitskosten in der Schweiz so hoch?

2024 kostete das Gesundheitswesen rund 10’800 Franken pro Kopf, und die Kosten wachsen jedes Jahr. 2024 trieben laut BFS vor allem die stationäre Behandlung, die Langzeitpflege und die Medikamente den Anstieg. Dazu kommen hohe Preise: Bei den Medikamenten hat die Schweiz laut BAG die höchsten Preise in Europa.

Wann kommt EFAS und mit welchem Verteilschlüssel?

EFAS gilt ab 2028 für ambulante und stationäre Leistungen und ab 2032 auch für die Pflege. Die Kantone übernehmen dann mindestens 26,9 Prozent der Nettokosten, die Versicherer den Rest. Ziel ist, dass ambulante und stationäre Behandlungen nach demselben Schlüssel bezahlt werden.

Was sind die Vor- und Nachteile des Schweizer Gesundheitssystems?

Vorteile sind die Versicherungspflicht mit Aufnahmepflicht, der gesetzlich einheitliche Leistungskatalog und die freie Wahl von Kasse und Leistungserbringer. Nachteile sind die hohen Kosten und die einkommensunabhängigen Kopfprämien, die Haushalte stark belasten, sowie die kantonal unterschiedliche Versorgung und Finanzierung. Die Prämienverbilligung soll die Last für tiefe und mittlere Einkommen senken.

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Nadine Forster

Nadine Forster – Grenzgänger, Gesundheit, News.

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